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Call for Papers: Handwerk und Design

Re-Lektüre der Designgeschichte und Positionsbestimmung von Handwerk in heutigen Designansätze

Gegenstand

Handwerkliche und industrielle Gestaltung sind entwicklungsgeschichtlich ebenso wie methodisch, technisch, wirtschaftlich, aber auch stilgeschichtlich eng miteinander verwo­ben. Gerade in den letzten Jahren haben sich darüber hinaus im designtheoretischen Dis­kurs und in der Designpraxis handwerkliche und handwerksrelevante Positionen entwickelt und artikuliert.

Ziel des Projektes ist es, die Bedeutung des Handwerks für die historische Entwicklung des Industrie-Designs, für den Prozess der Gestaltung im industriellen Kontext sowie für aktuelle gesellschaftliche und kulturelle Fragen zu klären und kritisch zu würdigen. Dies soll in geeigneter Weise öffentlich vermittelt werden (Symposium, Buch, Ausstellung).

Das Projekt wird durchgeführt vom Lehrstuhl für Kunst- und Designgeschichte der Bergischen Universität Wuppertal unter Frau Prof. Dr. Gerda Breuer.

mögliche Themen

Designgeschichte, oder besser: die Geschichte der Produktgestaltung ist Teil der Gesell­schaftsgeschichte mit ihrer kultur-, politik-, wirtschafts- und sozialhistorische Perspektiven berücksichtigenden Herangehensweise. Demzufolge hat auch der Blick auf die histori­schen Zusammenhänge von Handwerks- und Industriegestaltung weit und fächerübergrei­fend zu sein. Auch eine Bestimmung aktueller Positionen in Handwerk und Design muss den komplexen Zusammenhängen Rechnung tragen.

Der Gegenstand soll aus drei Perspektiven beleuchtet werden:

A)   Begriffe: Sind schon historische Begrifflichkeiten wie „Kunsthandwerk“ oder „Werkkunst“ klärungsbedürftig, dann gilt das für aktuellere Schlagworte umso mehr: Neocraft, neo-analog, Radical Crafting usw. sind begrifflich nicht einfach zu fassen, belegen jedoch das seit einiger Zeit lebendiger werdende Interesse am Handwerk;

B)   Wege: Historische Entwicklungen des Verhältnisses von Handwerk und Design sollen anhand von Fallbeispielen beleuchtet werden;

C)   Positionen: Beobachter, Kritiker, Beteiligte, Gestalter erläutern und illustrieren aktuelle Positionsbestimmungen von Handwerk, Design und Kunst in gegenseitiger Reflexion und Selbstsicht.

Beiträgerinnen und Beiträger für Textband und Symposium sind insbesondere gesucht für folgende mögliche Themenbereiche:

  1. wirtschafts-, technik-, politikgeschichtlich:
    Handwerk und Industrie: Zusammenhänge und Unterschiede der wirtschaftlich-technischen Entwicklung seit der Mitte des 19. Jahrhunderts;
  2. der Handwerker als Gestalter für die Industrie im 19. und frühen 20. Jahrhundert: Arbeitsteilung, manufakturelle Produktion;
  3. ideengeschichtlich:
    die Rolle des Handwerks für die Gestaltungsreformer seit Mitte des 19. Jahrhunderts, Handwerk als Kulturkritik (Semper, Arts and Crafts, Werkbund, Kunstgewerbe-Bewegung, Bauhaus etc.);
  4. Kunst und Handwerk – Kunstgewerbe – Werkkunst: Abgrenzungen;
  5. (werk-)biographische Beispiele;
  6. Feminisierung des Kunstgewerbes – Maskulinisierung des Handwerks: geschlechtsspezifische Zuschreibungen;
  7. gewerkspezifische Beispiele (z.B. Töpfern, Schmieden, Weben etc. und industrielles Gestalten);
  8. Gestaltungspolitik zentraler Institutionen des Handwerks: Kammern, Verbände, Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks, Handwerkspflege und -förderung;
  9. design-/stilgeschichtlich:
    Handwerk im Industriedesign, Industrie in der handwerklichen Gestaltung;
    auch: Handwerkssimulation im Industriedesign, z.B. Ashbee und Liberty;
  10. Gegenpositionen zum Industriedesign: z.B. Arts and Crafts, panorganischer Funktionalismus bei Henry van de Velde gegen Standardisierung der Produktion bei Hermann Muthesius im Werkbundstreit 1914;
  11. Fragen der Ausbildung: Lehre und Weiterqualifizierung im Handwerk als Grundlage für die Arbeit für die Industrie, Kunstgewerbeschulen sowie verwandte und Nachfol­ge-Einrichtungen in ihrer Bedeutung für das Handwerk, und andersherum: Bedeu­tung des Handwerks für die industrielle Lehre/Gestalterausbildung;
  12. Ablösung des Handwerks von der Entwicklung des Industrie-Designs: Professionali­sierung im Industrie-Design, Akademisierung der Gestalterausbildung;
  13. Handwerk zwischen „angewandter Kunst“ und Design in der musealen Vermittlung;
  14. Stand heute und Ausblick: „Handwerkliches“ als Qualitätsmerkmal?, Handwerk und Nachhaltigkeit in der Industrieproduktion, Verfügung über grenzenloses Repertoire  an Gestaltungsmitteln und Drucktechniken (u.a. analoge Bearbeitung digitaler Ästhetik, direkter Einbezug von Körper und Materie in den Entstehungsprozess, eigenhändige Vervielfältigung eines Plakates, Handschrift als Typografie); Retro-Romantik; Handarbeit als Distinktion; Handarbeit als Demonstration von Wertigkeit der Arbeit; Individualität und Kollektivität – alternative Handwerksbetriebe; Kritik an der Organisationsform von Industriearbeit; Begriffsbestimmungen und aktuelle Positionen (neo-analog, Neocraft, Craftpunk, Crafting Circles, Radical Crafting, DIY [Do-It-Yourself, auch: Design-It-Yourself] etc.).

 

Weitere Themenvorschläge sind gerne willkommen. Mit dem fächerübergreifenden Ansatz des Projektes sprechen wir ausdrücklich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen an.

Es werden Beiträge gesucht für die Buchpublikation, die voraussichtlich im Sommer 2013 erscheinen soll. Darüber hinaus ist eine Beteiligung am Symposium möglich, das für den 26./27. April 2013 geplant ist.

Exposés oder Kurzzusammenfassungen der vorgeschlagenen Beiträge (1-2 Seiten) sind bitte per E-Mail zu richten an den Lehrstuhl für Kunst und Designgeschichte, Prof. Dr. Gerda Breuer, Ansprechpartner ist Dr. Christopher Oestereich (Tel. 0202/439 5711, oestereich@uni-wuppertal.de). Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

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