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Werkzeuge für die Designrevolution

Wenn Begriffe totgeredet wurden, heißt das meist, dass das Wissen dahinter in die Anwendung kommt. Genauso ist es mit dem Begriff “Nachhaltigkeit”, mit dem man momentan wohl keine Revolution mehr anzetteln kann. Aber waren es in den letzten Jahren eher Apelle und Mahnungen, die der Gegenstand gestalterischer Aktivitäten zum Thema waren, wurden gleichzeitig von vielen Akteuren neue Diskurse und Praktiken ins Leben gerufen, die die Welt der Gestalter auf ihr revolutionäres, umwälzendes Potential zurückstoßen.

Nimmermüder Akteur ist das Wiener Institute of Design Research, dass autonom und experimentell forscht und sich damit einen Namen gemacht hat. Im Gegensatz zum Hochschulkontext ist das Teilen von Wissen eine der ersten Prämissen des Instituts um Harald Gründl und sein Team: In Ausstellungen, Debatten, einem Videokanal auf ITunesU und unter anderem in der vorliegenden Publikation kann man Teil des lebendigen Denkens der Wiener werden.

Im Mai 14 erschien die Publikation “Werkzeuge für die Designrevolution”, das die Ergebnisse eines längeren Forschungs- und Diskursstrangs in einem Arbeitsbuch für Designer und Nicht-Designer zusammenfasst. Erster Eindruck: Hier wird weder das Ende der Welt bejammert, noch die Strukturen die Designer angeblich davon abhalten ihr Potential zur Weltveränderung zu nutzen. Die Designrevolution wird dann auch folgerichtig in der Linie der kritischen Designpraxis des William Morris über den Philosophen Ivan Illich zu Buckminster Fuller.

In angenehm systematischer Weise bekommen die LeserInnen einen Überblick über Hintergründe, Begriffe und Methoden zu Design und dessen ökologischen Auswirkungen. Der Begriff des Werkzeugs bleibt dabei immer an simplen Methoden, die so folgerichtig sind wie ein Hammer: Faustregeln zum Errechnen des ökologischen Fußabdrucks, einfache Analyse- und Denkmethoden über Design, Produkte und Zusammenhänge.

Wer dieses Buch liest, kennt die wichtigsten Verfahren und Werte der Berechnung des “Ökologischen Rucksacks” und des “Ökologischen Fußabdrucks”, ist in die kausalen Zusammenhänge von CO2 und Klima eingeweiht und weiß an welchen Stellen des Entwurfs die Stellschrauben für schädliche Produkte gedreht werden. Aber auch, wie man die Öko-Ohnmacht im kreativen Prozess überwindet wird in anschaulichen Prozess-Beispielen geschildert. Kreisläufe und Strategien aus Alltagsprodukten und Exkursionen in die praktische, handwerkliche Ermächtigung zeigen wie es geht. Eine umfangreicher Index und eine Linksammlung dienen zur weiteren Diskussion.

Dabei lässt das Buch die LeserInnen nicht allein in der Ambivalenz des designerischen Alltags: Die Frage danach, wie man leben möchte, lenkt das sachliche Werk am Ende wieder in die Kernzelle des Politischen: dem Einzelnen und seinen Entscheidungen. Statt Öko-Design lernen wir einen unverstellten Blick auf das, was zukunftsfähiges Design sein kann.

 

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