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Designliteratur: WOMEN IN GRAPHIC DESIGN

Die Unsichtbaren: Kommt man in ein Grafikbüro, sind mit großer Wahrscheinlichkeit die Frauen hinter den Bildschirmen in der Überzahl – dennoch sind sie in der Geschichtsschreibung des Design selten die Hauptpersonen. Designgeschichte wird meist an männlichen Protagonisten und ihren Entwürfen festgemacht, kramt mal kurz in Eurem Gehirn…und? Stimmt! Die Dokumentation weiblicher Lebensperspektiven im Grafikdesign im vorliegenden Band ist spannend und kurzweilig und meilenweit von einer öde mahnenden Geschlechterdebatte entfernt.

In zahlreichen Essays unterschiedlicher Autoren und Autorinnen rücken die Pionierinnen des Design ins Bild, ihre Arbeitswelt und ihre Entwürfe. Aber nicht nur Gestalterinnen wie Plakatkünstlerin Mönkemeier-Corty, Ray mal ohne Charles Eames oder die Designerinnen der russischen Avantgarde werden portraitiert, sondern auch gesellschaftliche Verhältnisse, zum Beispiel in Judith Siegmunds Untersuchung über Grafik-Design-Paare in der DDR. Ergänzt werden die Essays mit Interviews zeitgenössischer Designerinnen, darunter Größen wie Paula Scher, Anna Berkenbusch oder Judith Grieshaber. (Nie gehört? – eben!). Die berichten ganz ohne irgendwelche Vorurteile über ihre Sicht auf Karriere, Arbeitswelt und fachliche Einstellung in der Geschlechterrollen mal mehr, mal weniger zum Tragen kommen. Viele Arbeitsbeispiele komplettieren das gezeichnete Bild. Deutlicher reflektierte Positionen stehen im Kapitel “Documents” – hier differenziert sich das Thema der weiblichen Identität in der Gesellschaft und Grafikdesign weiter. Denn warum, so fragt beispielsweise ein 1973 durchaus frauenbewegter Artikel von Sheila Levant de Bretteville, haben Frauen in ihrer körperlichen und emotionalen Realität so wenig Anteil an dem, wie die Arbeit und die Bilder der Gesellschaft aussehen? Ein für Designerinnen und Designer nach wie vor hochaktuelles Thema. Steht doch die Teilhabe des Design an gesellschaftlichen Fragestellungen allgemein momentan oft zur Debatte. Könnte die Geschichte der weiblichen Emanzipation zur Vorlage für andere Emanzipationsbewegungen werden? Diese und andere Fragen ergeben sich aus dem 608 Seiten starken Buch – werden jedoch nie vorgegeben.

Eine Steilvorlage für eigene Untersuchungen bietet das Verzeichnis an Kurzbiografien (mit vielen Gestaltungsbeispielen versehen). Großer Dank gebührt den Herausgeberinnen Gerda Breuer und Julia Meer, die neben einem ersten Überblick des Themas Frauen im Design auch die Schnittstellen für weitere kritische Erforschungen des Gebiets vorlegen.

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Ein Kommentar

  1. Ein aktuelles Interview mit Julia Meer, einer der Herausgeberinnen, zu Intention und Herangehensweise findet ihr hier: http://nl2012.designerinnen-forum.org/index.php?id=758